Lebensmittelverschwendung – Planung ist das A und O

Wie man an der Monatsaufgabe für die #derKrempeldenichrief – Challenge merkt, dreht sich bei mir diesen Monat viel um die Küche. Und wenn sonst nicht viel diesen Monat klappt (zum Beispiel das regelmäßige Bloggen), komme ich immerhin beim Aufbrauchen meiner Vorräte gut voran (vor allem bei den süßen Sachen fällt mir das seltsamerweise gar nicht mal so schwer…). Aber darum soll es nicht in diesem Blogpost gehen, auch wenn die Vorratshaltung Teil des Großen und Ganzen ist.

Von vielen höre ich oft das Argument, dass sie es sich nicht leisten können, nachhaltig zu leben. Schließlich sind Bio-Lebensmittel oder fair produzierte Kleidungsstücke um einiges teurer als die konventionell hergestellten Gegenstücke. Und dieses plastikfrei?! Nicht jeder hat die Möglichkeit eines Unverpackt-Ladens in der Nähe. Oder gerade ein Kind in der Trotzphase, das genau diesen Schokoriegel in der Pausenbox braucht, sonst wird es von den Klassenkameraden nicht als cool angesehen oder wirft sich quengelt und schreiend auf den Boden im Supermarkt. Ganz davon zu schweigen, dass ein Leben ohne Fleisch und Wurst unmöglich ist.

Keine Sorge, ich rufe jetzt nicht dazu auf, dass sich alle vegetarisch oder vegan ernähren sollen! Dass das Verzichten oder zumindest Reduzieren von tierischen Produkten in der Nahrung nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den eigenen Körper von Vorteil ist, gehört glaube ich zwischenzeitlich zur Allgemeinbildung. Es geht um das große Thema der Lebensmittelverschwendung und was jeder dagegen unternehmen kann. Und dabei kann man sogar Geld sparen!

Spätestens seit dem Film „Taste the waste“ aus dem Jahr 2010 ist die Lebensmittelverschwendung in den Medien und damit hoffentlich auch im „öffentlichen“ Bewusstsein angekommen. Doch Anfang des Monats „überprüfte“ der Spiegel, wie es um das Thema der Lebensmittelverschwendung steht und stellt fest, dass laut Statistiken jeder in Deutschland im Durchschnitt rund 85kg Lebensmittel jährlich in den Müll wirft! Ganz zu schweigen von den Tonnen, die schon bei der Ernte/Produktion und dem Transport in den Müll wandern. Rund ein Drittel der produzierten Nahrung geht „verloren“. Damit einher gehen Unmengen an Ressourcen „verloren“. Ich finde, „verloren“ ist irgendwie ein zu harmloses Wort dafür, gehen doch wichtige Rohstoffe und Nährstoffe aus dem Boden verloren, dazu kommen Wasser und Unmengen an Emissionen für den Transport, ganz zu schweigen von den Plastik-Verpackungen und ermordeten Tieren… Nun kann man die Schuld von sich weisen und sagen, dass zunächst die Industrie und Wirtschaft neue Gesetze und Richtlinien brauchen und nicht schon die Hälfte der Kartoffeln auf dem Acker liegen bleiben. Oder es den Supermärkten verboten wird, Lebensmittel kurz vor dem Mindeshaltbarkeitsdatum in die Tonne zu kloppen, damit in den Regalen Platz für frische Ware ist. Denn an diesen Punkten gehen die größten Teile der produzierten Nahrung „verloren“. Doch:

Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.

… sagt zumindest ein afrikanisches Sprichwort. Und durch das Engagement vieler Leute sind schon tolle Initiativen und Aktionen entstanden, die gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen: die Tafeln, Containern, Schnibbelparties oder ganz neu in Berlin der SirPlus-Laden, der gerettete Lebensmittel vergünstigt verkauft. Viele Apps, zum Beispiel die für Foodsharing, Too-Good-to-go oder Zu-gut-für-die-Tonne, blasen in das gleiche Horn und versuchen der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten. (Diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig!) Aber nicht jeder hat die Zeit, Foodsaver zu sein. Oder traut sich zu containern. Oder lebt in einer Großstadt, um von Too-good-to-go Gebrauch zu machen. Natürlich müssen auch auf der Ebene der Wirtschaft und Industrie Richtlinien und Vorgaben geändert werden, um weniger Lebensmittel zu verschwenden. Aber jeder kann zu Hause etwas gegen seine 85kg Lebensmittelmüll unternehmen, denn dafür ist weder der Supermarkt noch der Bauer Schuld, für diesen Müll muss man sich selbst – und da kann ich mich nicht ausschließen – an der eigenen Nase fassen. Ich werfe wirklich nur ganz selten Lebensmittel weg, seit dem ich ganz spießig einen Wochenplan aufstelle.

Speiseplan für die Woche

Das klingt total spießig und irgendwie fühlt es sich manchmal auch so an. Allerdings komme ich um das Planen gar nicht herum, seitdem „mein“ Unverpackt-Laden nur noch freitags und samstags offen hat und ich nicht mehr um die Ecke wohne. Da der Wochenmarkt Samstags direkt neben dem Unverpackt-Laden ist, ist das mein Einkaufstag. Vorher schreibe ich einen Speiseplan für die Woche, darin berücksichtige ich die Tage, an denen ich nicht zu Hause esse und die Vorräte bzw. frische Sachen, die weg müssen, bevor sie schlecht werden. Ebenso kann ich gut schauen, an welchen Tagen ich Zeit habe, größer zu kochen, und an welchen es eher knapp wird, um dann dafür extra schnelle Gerichte rauszusuchen oder am Vortag mehr zu kochen, was ich dann einfach aufwärmen kann. Wobei ich das meistens so mache, dass ich gleich für zwei Tage koche, was bei mir auch gut passt, denn lange und kurze Arbeitstage wechseln sich bei mir in der Regel gut ab. Anhand dieses Vorgehens habe ich ganz selten mal Lebensmittel über, oft kann ich das dann einfrieren und mir für einen Tag aufheben, an dem ich keine Zeit zu kochen habe und „Fastfood“ brauche. Nun mögen einige anführen, dass die Planung der Speisen Zeit benötigt, was natürlich stimmt. Aber diese Zeit spart man im Laufe der Woche locker ein, da man nicht ständig überlegen muss, was es denn heute zu Essen geben soll und dann „nochmal schnell los muss“, weil genau eine Zutat fehlt. Nebenbei spart man einen Haufen Geld (und Kalorien), denn bei diesen Mal-Eben-Schnell-Einkäufen landet ja gerne mal der eine oder andere Schokoriegel oder eine Tüte Knabberzeug neben der einen benötigten Zutat auf dem Warenband. Neben den Einsparen von Lebensmittelmüll, weil bei einer guten Planung kaum mehr Reste übrig bleiben oder Lebensmittel schlecht werden sollten, schont man auch seinen eigenen Geldbeutel. Das Argument, nachhaltiges Leben sei so teuer, zieht in diesem Fall nicht. Laut Schätzungen könnte eine Person im Jahr 235 Euro einsparen, würde er nicht so viele Lebensmittel wegwerfen. Bei einem Vier-Personen-Haushalt sind das schon 940 Euro! Wenn ich mir vorstelle, was ich mit 235 Euro alles anstellen könnte…

Weitere Möglichkeiten, Lebensmittelmüll einzusparen

Neben der Planung von seinen Speisen bleiben weitere Möglichkeiten, um zu Hause oder beim Einkaufen Lebensmittel „zu retten“ oder einzusparen.

  1. Containern: Oben wurde schon mal das Containern (auch Dumpstern genannt) angesprochen. Dabei sucht man die Mülltonnen von Supermarktketten nach noch brauchbaren Lebensmittel ab, die man dann nach Hause nimmt, um sie zu verteilen oder zu verspeisen. Das Containern ist rechtlich eine Grauzone, denn laut Gesetz gehört auch der Müll in den Tonnen den Supermärkten und somit handelt es sich beim Containern um Diebstahl. Viele Ketten schließen seit geraumer Zeit ihren Müll ab, da sie um Einbußen beim Verkauf fürchten, wenn sich die Kunden im „Müll“ bedienen.
  2. Foodsharing: Hier gibt es zwei Möglichkeiten: man kann Lebensmittel retten oder selbst anbieten. Zum Beispiel wenn man in den Urlaub fährt oder zu viel von etwas hat. Man kann sich aber auch zum Foodsaver anmelden und bei den Supermarktketten Lebensmittel „retten“, die kurz vor dem Ablaufen stehen und diese über Verteilerstationen weiter geben
  3. Restekochen: Zahlreiche Internetseiten und Apps bieten die Möglichkeiten, sich Rezepte mit einer oder mehreren übrigen Zutaten anzeigen zu lassen, damit das, was dringend weg muss, verkocht werden kann (und man selbst keine Idee hat). Maria von widerstandistzweckmäßig hat außerdem eine spannende Linkparty mit vielen Ideen für die Resteküche.
  4. Gib krummen Gemüse eine Chance! Bereits oben wurde gesagt, dass ein Teil der Kartoffeln auf dem Acker liegen bleibt, weil sie nicht den Güteklassen des Handels entsprechen. Kaufe bewusst krumme Gurken, gerade Bananen, kleine Kartoffeln, dreibeinige Möhren und zeige dem Handel, dass auch krummes Gemüse gekauft wird und nicht in die Tonne gehört!
  5. Gesunder Menschenverstand! Ja, naja. Es heißt ja, der Verstand sei das gerechteste Verteilte auf der Welt, denn jeder meint, er habe genug davon. Allerdings wandern immer noch viele Sachen in den Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt aber lediglich aus, dass es bis dahin mindestens haltbar sein muss. Es ist nicht so, dass die Bakterien eine Uhr haben und bei Überschreiten der Datumsgrenze wissen, dass sie jetzt loslegen können und die Nahrung verderben können. Man muss natürlich genau hinschauen und riechen, ob das Lebensmittel noch genießbar ist, aber ein Joghurt hält sich auch mal ein paar Tage, teilweise sogar Wochen länger. (Böse Zungen behaupten ja, dass das Mindeshaltbarkeitsdatum vom Handel zusehends verkürzt wird, damit die Leute eher neu kaufen, weil sie denken, dass das andere Joghurt schon schlecht ist.) Achtung: Das Mindeshaltbarkeitsdatum ist nicht mit dem Verbrauchsdatum auf Milch- und Fleischwaren zu verwechseln!
  6. Kreativität: Die Banane ist nicht mehr frisch genug, um sie als Snack zu essen? Die Paprika nicht mehr knackig genug, um sie roh aufs Brot zu legen? Mach eine Bananenmilch draus. Oder einen Smoothie. Oder Nicecream! (Diese Dinge klappen mit fast jedem Obst!) Aus Gemüse, dass schon etwas läpprig ist, lassen sich tolle Suppen machen. Mit etwas Kreativität und dem Internet lässt sich für fast alles – das keinen Schimmel ernährt – Möglichkeiten finden.

Wie plant ihr euer Essen? Habt ihr noch gute Tipps oder Apps, um Lebensmittelmüll zu vermeiden?

Da das Vermeiden von Lebensmittelmüll etwas ist, dass jeder tun kann, um seinen Alltag etwas nachhaltiger zu gestalten, wandert dieser Beitrag direkt zu einfach.nachhaltig.besser.leben.

Beitragsbild von Leonie Wise. Gefunden auf unsplash.com

6 Kommentare bei „Lebensmittelverschwendung – Planung ist das A und O“

  1. Wenn Obst und/oder Gemüse nicht mehr knackig ist, wird es mirgekocht oder gebacken!!! z.B. Bananenbrot, kommt durch die Reife der Bananen ohne Zucker aus. Zwei Fliegen mit einer Klappe!!

    1. Bananenbrot muss ich auch unbedingt noch probieren. Meist mache ich daraus zurzeit Bananenpancakes zum Frühstück. Wenn ich keine Zeit habe, friere ich sie ein und mache ein paar Tage eine leckere Nicecream. Das aber meist im Sommer… LG

  2. Hallo!

    Es freut mich sehr, dass Du Dich gerade für dieses Thema einsetzt, das mir selbst auch so ein großes Anliegen ist. Ich arbeite schon lange bei Foodsharing mit und helfe so, die Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

    Selbst achte ich auch sehr darauf, das Essen gut zu planen, damit nichts kaputt wird. Ein Tiefkühlschrank kann dabei eine große Hilfe sein.

    lg
    Maria

  3. Liebe Jessica,
    Ich erstelle (noch) keinen Essensplan. Stattdessen kaufe ich (möglichst) nichts verpacktes. Außerdem achte ich darauf, dass (wieder möglichst) nur regionale und somit saisonale Erzeugnisse in die Einkaufsnetze kommen. Das schränkt die Möglichkeiten doch stark ein. Wir haben uns auf diese Art und Weise viele Sachen abgewöhnt und sogar mein Sohn sieht ein, dass es einfach kein Toastbrot mehr gibt, „Weil es verpackt ist, stimmt’s?“
    Viele Grüße, Izabella

    1. Liebe Izabella,
      bei meiner Essensplanung versuche ich auch darauf zu achten, möglichst viel saisonal zu essen. Das schränkt ein, aber auf der anderen Seite lernt man auch noch das ein oder andere Gemüse kennen (so ging es zumindest mir). Allerdings brauche ich ab und zu Südfrüchte, das gebe ich zu 🙂 Als Tipp für Toastbrot: Beim Bäcker einfach ein Milchbrot / Weißbrot kaufen, da bekommt man es meist unverpackt und hat dann im Prinzip Toastbrot. Macht vielleicht den kleinen Sohnemann glücklich…
      Ganz liebe Grüße,
      Ica

  4. Toller Post. Auch ich mache ganz spießig immer meinen Wochenplan und kaufe am Samstag ein. Klappt wunderbar.

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