Heidelberg handelt fair: Indigene Imker wehren sich gegen Gentechnik und Agrobusiness

Gestern Abend war ich mit einer lieben Freundin beim Vortrag „Indigene Imker wehren sich gegen Gentechnik und Agrobusiness“, der im Rahmen der Fairen Wochen in Heidelberg vom Nicaragua-Forum veranstaltet wurde.

Die Mayaimkerin Ledy und eine Agrar-Forscherin, beide auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán beheimatet, berichteten von den Auswirkungen von genmanipuliertem Soja der Firma Monsanto auf die Imkerei, Natur, Kultur, Gesundheit und Artenvielfalt/Biodiversität sowie der Untätigkeit der mexikanischen Regierung.

Doch von Anfang an: Die Mayaimkerin vertritt einen Zusammenschluss von 36 Maya-Gemeinden auf der Halbinsel, die schon seit Generationen im Einklang mit der Natur leben und einen Großteil ihres Lebensunterhaltes mit Imkerei verdienen. Doch seit einiger Zeit haben sie immer mehr Schwierigkeiten ihren Honig, der zu ungefähr 90% nach Deutschland exportiert wird, in die EU einzuführen. Das liegt an einer neuen EU-Verordnung, nach der kein Honig importiert werden darf, der Spuren von genmanipulierten Pflanzen aufweist. Doch wie kommen jetzt diese Spuren in den Honig der Naturvölker, bauen die Maya doch keinerlei genveränderte Pflanzen an. Da kommt die mexikanische Regierung ins Spiel, die das Recht der indigenen Völker mit Füßen tritt und fleißig Gebiete über Mittelsmänner an Monsanto verkauft, die dann dort in Massen genmanipuliertes Soja anbauen. Dabei wird auch kräftig Schmiergeld gezahlt, sodass der Regierung nicht auffällt, dass statt der genehmigten 300 Hektar 3000 mit genverändertem Soja angebaut wurde. (Das Wort Korruption in den Mund zu nehmen, liegt irgendwie nahe… .) Damit das Soja auch gut wächst, werden Unmengen an Glyphosat gespritzt. Abgesehen davon, dass die Mayaimker nicht mehr ihren Honig absetzen könnten, hat der Einsatz von Glyphosat und der massive Eingriff in die Natur für die indigenen Völker massive Folgen: ihre Bienen sterben von dem Pestizid. Doch nicht nur für die Bienen und andere Insekten sind die Folgen gravierend, auch die Menschen leiden: Die Forscherin zeigte Studienergebnisse, bei denen selbst im abgepackten Flaschenwasser ein Wert von 2,8 ng pro Liter Glyphosat gefunden wurde! (Zum Vergleich: in Deutschland ist als Grenzwert 0,1 ng pro Liter angegeben!) Durch den rentablen Anbau von Gensoja werden Wälder abgeholzt und Böden, die eigentlich nicht für die Landwirtschaft geeignet sind, für den Anbau von Soja verwendet und ausgelaugt, das Grundwasser „vergiftet“. Bei diesen Monokulturen und dem massiven Einsatz von Pestiziden und Herbiziden hat die Biodiversität natürlich wenig Chancen, was man ja auch schon am Beispiel der Palmölplantagen u.a. auf Borneo gesehen hat. Als ob der Eingriff in die Natur nicht schon schlimm genug wäre, werden die Maya ihrer Kultur beraubt. Das Leben im Einklang mit „Mutter Natur“ und dem schonendem Umgang mit den natürlichen Ressourcen, speziell dem Leben spendenden Wasser, ist nicht mehr möglich. Völlig hilflos erzählte Ledy, dass sie nicht weiß, was an ihrem Wissen sie noch ihren Enkeln mitgeben könne, da nichts mehr Bestand habe.

Die Indigenen Völker werden von ihrer Regierung im Stich gelassen, obwohl oder weil sie Klage eingereicht haben?! Deutlich wurde das unter anderem daran, dass die beiden Mexikanerinnen in Europa waren, um vergangen Montag vor einem UNO-Ausschuss in Genf mit einem Vertreter der Menschenrechte ihre Lage zu schildern. Dieser Termin wurde kurzfristig von der mexikanischen Regierung abgesagt… (Scheinbar soll er im Februar nachgeholt werden.)

Nach dem Vortrag, dessen Stimmung und inhaltliche Punkte ich für euch oben zusammengefasst habe, konnten die Zuhörer Fragen stellen. Dabei kam natürlich die Frage auf, was wir hier in der Ferne überhaupt tun können. Diese Punkte möchte ich für euch kurz festhalten, denn vielleicht hat den ein oder anderen dieser Vortrag zum Nachdenken angeregt und steht ebenso vor dieser Frage. Zumal man davon ausgehen kann, dass das rüde Vorgehen von GlobalPlayers wie Monsanto nicht nur auf Yucatán statt findet…

Glyphosat

In Frankreich wird derzeit über ein Verbot des umstrittenen Pflanzen“schutz“mittels diskutiert, doch die EU und auch Deutschland denken über eine Verlängerung nach… Glyphosat werden viele negative Folgen für die Gesundheit und die Umwelt nachgesagt (um sie alle aufzuzählen, wäre ein eigener Blogpost nötig), trotz allem soll es verlängert werden?! Auf Change.org kann man einige Petitionen rund um das Thema finden und seine Stimme abgeben, sodass das Thema zumindest beim Bundestag auf die Tagesordnung kommt. Wer noch weitere Informationen zur Meinungsfindung braucht, dem sei folgende Dokumentation ans Herz gelegt:

Glyphosat findet allerdings nicht nur in der Landwirtschaft bei großen Agrarunternehmen seine Einsatzgebiete, sondern kann auch unter dem Namen RoundUp für den privaten Gebraucht gekauft werden. Das hat nun wirklich jeder selbst in seiner Hand, ob er das in seinem Garten einsetzen möchte… (In Frankfreich soll auch der private Einsatz verboten werden!)

Soja-Anbau

Ich möchte hier niemanden dazu aufrufen, Veganer/Vegetarier zu werden, doch ist es mehr als bewiesen, dass (je nach Quelle) 90-95% des angebauten Sojas in die Massentierhaltung zum Mästen von Rindern, Schweinen, etc. gehen. Abgesehen davon, dass die Tiere die Schadstoffe über das Futter aufnehmen und wir als Menschen diese Schadstoffe ebenso aufnehmen, bleibt die Frage bestehen, ob es wirklich täglich (mehrmals) Fleisch und Wurst geben muss. Die Reduktion des Verzehrs von tierischen Produkten würde die Nachfrage danach senken und damit schlussendlich auch der Anbau von Soja, was ganz nebenbei den Regenwald vor weiteren klimaschädlichen Rodungen retten könnte (und Lebensraum für viele aussterbende Tierarten bedeuten würde).

Bienensterben / Insektensterben

Ein großes Thema beim Einsatz von Herbiziden und Pestiziden ist, dass die Bienen und Insekten sterben. Neben den Vergiftungen, die sie durch diese chemischen Mittel erleiden, tragen auch die Monokulturen dazu bei, dass nicht mehr genügend Nahrungsmittel gefunden werden können. Hier kann jeder ansetzen und auf seinem Fensterbrett, Balkon oder in seinem Garten heimische „natürliche“ Pflanzen einpflanzen und mit Insektenhotels und Wildkräutern (dazu zähle ich auch Brennnesseln) für genügend Lebensraum und Nahrung sorgen. Es mag sicherlich schön sein, dass man nach der Fahrt in den Urlaub nicht mehr die Windschutzscheibe von toten Insekten befreien muss, allerdings ist es auch beängstigend, wie schnell die Insektenarten abnehmen. Und um es mit den Worten von Albert Einstein zu sagen: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch 4 Jahre.“

Ich weiß, dass das alles nur sehr indirekt wirkt, doch sind es kleine Schritte, die das Leben etwas nachhaltiger gestalten und wenn viele Menschen diese kleine Schritte gehen und vielleicht ein weltweites Verbot von Glyphosat durchgesetzt werden kann, ist nicht nur der Bev

ölkerung vor Ort geholfen, sondern auch der Umwelt und uns selbst.

Da dieser Vortrag bzw. dessen Zusammenfassung viele Punkte von Nachhaltigkeit bzw. Nicht-Nachhaltigkeit enthält, wandert dieser Beitrag wieder zur Blogparade einfach.nachhaltig.besser.leben.!

 

2 Replies to “Heidelberg handelt fair: Indigene Imker wehren sich gegen Gentechnik und Agrobusiness”

  1. Ein sehr guter Text! (Auch wenn ärgerlich alles…)

    1. Vielen Dank. Ärgerlich ist es auf jeden Fall. Zumal das ja wirklich überall „passiert“…

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